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XX. Nachwuchswissenschaftler-Tagung der AGI am 10./11. April 2015

Nahezu 40 Nachwuchswissenschaftler, gestandene Wissenschaftler sowie an der Genossenschaftswissenschaft interessierte Praktiker waren am 10.-11. April 2015 Gast in der Genossenschaftsakademie des Genossenschaftsverbandes Weser-Ems in Rastede, denn dort fand die 20. Nachwuchswissenschaftler Tagung der Arbeitsgemeinschaft genossenschaftswissenschaftlicher Institute (AGI) statt. Die Förderung des Austausches und der Weiterentwicklung von Wissen auf dem Fachgebiet des Genossenschaftswesens national und international ist Ziel der AGI. Dabei spielt die gezielte Förderung von jungen Nachwuchswissenschaftlern sowie die Kontaktpflege zwischen Genossenschaftsforschung und Genossenschaftspraxis eine herausragende Rolle.

Genau dies gelang mit dieser Tagung: Vertreten waren neben den deutschen Mitgliedern der AGI auch solche aus der Schweiz, aus Österreich sowie aus Finnland. Auch − wenn auch nur wenige − Gäste aus regionalen Genossenschaftsverbänden wie auch junge Nachwuchskräfte, die sich "extern", d.h. nicht direkt bei einem AGI-Institut wissenschaftlich mit Genossenschaften auseinandersetzen, fanden den Weg nach Rastede. Geboten wurde ein breitgefächertes Programm, das historische wie auch juristische und wirtschaftswissenschaftliche Analysen an Einzelfallbeispielen, aber auch in Form modelltheoretischer Konstruktionen beinhaltete. Themenbereiche waren Corporate Governance, Mitgliederpartizipation, netzwerkartige Verbindungen von Genossenschaften, Probleme des Poolings (am Beispiel von Winzergenossenschaften, aber auch am Beispiel des Gesundheitsrisikopoolings in kooperativen Sicherungsformen in Ländern Afrikas), Investitionsanreize bei genossenschaftlichem Eigentum, die Ausprägung von Produktivgenossenschaften in Deutschland und deren Stabilitätsbedingungen in einem marktlichen Umfeld, die Wiedergutmachungsverfahren für NS-Verfolgungsschäden am Beispiel einer Konsumgenossenschaft, die Unternehmensgeschichte der Bayerischen Raiffeisen-Zentralbank sowie Prozesse der Transformation der Genossenschaften von der sozialistischen Planwirtschaft der DDR in die soziale Marktwirtschaft der BRD.

Der mit 500 EUR dotierte AGI-Nachwuchswissenschaftler-Preis ging in diesem Jahr an das Autorenduo Julia Höhler und Dr. Andreas Hildenbrand, beide vom Institut für Genossenschaftswesen an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Das Thema: "Weinqualität in unterschiedlichen Organisationsformen: Warum schneiden Genossenschaften oft schlechter ab?" wurde von ihnen modelltheoretisch durch Anwendung mikroökonomischer Angebots- und Nachfragefunktionen behandelt und kam zu dem Ergebnis, dass Winzergenossenschaften bei der Weinqualität nicht unbedingt schlechter abschneiden als andere Organisationsformen. Allerdings besteht in Winzergenossenschaften ein Anreiz, mehr Trauben und somit mehr Wein zu produzieren.

Harald Lesch, Abteilungsleiter Marketing, Verbundkooperation und Gründungsberatung, zeigte nicht nur die Bedeutung des regionalen Prüfungsverbandes, den dieser in seiner heute 125-jährigen Geschichte für die Region Weser-Ems und die darin tätigen Genossenschaften entfaltete, sondern führte den Teilnehmern auch die zukünftigen Aussichten durch die genossenschaftlichen Neugründungen im Energiebereich, Sozial- und Gesundheitsbereich vor Augen.

Das interessante und abwechslungsreiche Programm, auch der sehr gute Rahmen in der Genossenschaftsakademie, der die Präsentation und die Diskussion wissenschaftlicher Projekte in angenehmer Atmosphäre ermöglichte, die sehr gute Verpflegung und Unterbringung sowie das schöne Frühlingswetter lassen diese Tagung bei den Teilnehmern in bester Erinnerung erscheinen.

 

Dr: Ingrid Schmale (stellv. Vorstand der AGI, Seminar für Genossenschaftswesen der Universität zu Köln)

 

Die nächste AGI-Nachwuchswissenschaftler-Tagung findet vom 08.-09. April 2016 in Karlsruhe statt. Weitere Informationen erhalten Sie unter schmale(at)wiso.uni-koeln.de.